TLZ und TA 26.03.2008 zum Losverfahren

LLE AKTUELLEN ZEITUNGSBERICHTE AUS DER TLZ UND DER THÜRINGER ALLGEMEINEN ZUM LOSVERFAHREN AM GERSTUNGER GYMNASIUM.

TLZ  26.03.2008
Gerstungen. (ep) Kritik bis Anfeindungen von Familien der gestern abgelehnten Schüler erwartet Gerald Taubert, Leiter des Melanchthon-Gymnasiums Gerstungen, nicht erst am 3. Oktober. Aber besonders der „Tag der Deutschen Einheit“ wird einmal mehr als Anlass dienen, die Politik des Kreises für das Gerstunger Gymnasium – der „Schule der Einheit“ – zu kritisieren, erwartet die Schulleitung.
Im Sack, auf den von den hessischen Familien eingedroschen wird, sitzten aber nicht die Kreisverwaltung oder Kreistagsmitglieder, sondern Schulleiter Taubert und sein Kollegium, geben Eltern wie Uwe Becker, Vize-Sprecher und Mitglied der Schulkonferenz, oder Lehrer wie Clemens Krause zu bedenken.
Weil die Kreisverwaltung den Antrag der Schulkonferenz auf die Aufnahme einer weiteren Klasse 5 auf Anraten des Bildungsausschuses des Kreistages verweigerte (im Schulnetz ist die Dreizügigkeit festgelegt), kam es gestern zum zweiten Mal nach 2006 an der „Schule der Einheit“ zum Losentscheid.
Maximal 90 Fünftklässler darf das Gymnasium aufnehmen. 118 stellten in diesem Jahr einen Antrag, 60 davon aus Hessen. Gesetzt waren die 68 Schulanträge aus dem Kreis und 14 Schüler aus Hessen, die Geschwister am Melachthon-Gymnasium haben. 28 von den 36 in der „Losurne“ liegenden Namen wurden gestern ausgesiebt, also acht freie Plätze unter Aufsicht des Juristen Timo Küllmer und im Beisein von Schulleiter Taubert, Lehrern und Elternvertreter Uwe Becker sowie einer Mitarbeiterin des Schulamtes Eisenach ausgelost. Die betroffenen Familien werden heute benachrichtigt.
Geben Eltern ihren erhaltenen Platz zurück, kann die entsprechende Losnummer nachrücken – so lange, bis alle freien Plätze vergeben sind.
Sowohl Elternsprecher als auch die Schulkonferenz kritisieren die Entscheidung des Kreises. Damit würden den Schülern des Gymnasiums größere Wahlmöglichkeiten im Unterricht genommen, sagte Uwe Becker. Das Argument von Sozialdezernentin Claudia Döring, das Gymnasium habe für weitere Fünftklässler nicht die nötigen Räumlichkeiten, halten die Gerstunger für Nonsens. Die Schule verließen 104 Abiturienten und regelmäßig gibt es etwa zwei Prozent Abbrecher aus der zehnten Klasse zurück gen Regelschule.
Dezernentin Döring bringt das Verhältnis von Thüringern und Hessen am Gymnasium ins Spiel, das momentan etwa 50:50 ist. Deutlich mehr Schüler aus dem Nachbarbundesland wären eine vom Kreis nicht gewollte Entwicklung.
Ob die über das Land Thüringen bezahlten Gastschulbeiträge aus Hessen ausreichten, dass können laut Döring momentan „gar nicht flächendeckend für die betroffenen Schulen gerechnet werden.“ Damit tritt sie der Kritik der Elternsprecher entgegen, die dem Kreis vorhalten, auf mehr Gastschulbeiträge über acht Jahre einfach zu verzichten. Mit einer vierten Klasse 5, so Vize-Schulleiter Gert Lindner, veränderten sich die Betriebskosten des Gymnasiums doch kaum. „Das Licht ist an, die Heizung auch, das Wasser läuft trotzdem“, meint Lindner.
Während die Enttäuschung am Melanchthon-Gymnasium über das Nein zur Ausnahmegenehmigung groß ist, hat Landrat Reinhardt Krebs gleichlautenden Anträgen auf Vierzügigkeit der Gymnasien Vacha und Bad Salzungen zugestimmt (in diesen Fällen kann Krebs allein entscheiden). Die „Einzelfallentscheidungen“ seien getroffen worden, da beide Schulen über ausreichend Raumkapazität verfügten, so Döring.
Thüringen
26.03.2008   Von Jensen Zlotowicz

TA 26.03.08

ZUKUNFT AUS DER LOSTROMMEL

Der Andrang hessischer Schüler ist groß, zu groß für das grenznahe Gerstunger Gymnasium. Weil es nur 90 Kinder aufnehmen darf, mussten die begehrten acht Rest-Plätze unter den Hessen verlost werden.

GERSTUNGEN. Ganz unscheinbar stand die kleine, rote Plastik-Kiste auf dem Tisch im Gerstunger Büro des Schulleiters Gerald Taubert. Dabei sollte sie über die Zukunft von 36 hessischen Kindern entscheiden. Denn darin lagen 36 kleine, gerollte Lose, acht von ihnen würden gewinnen, 28 verlieren.

Unverständlich für die Eltern. Manche attackierten Schulleiter Gerald Taubert angeblich sogar persönlich. „Die Leute lassen eben Druck ab“, sagt Uwe Becker, „verständlicherweise“. Der Elternsprecher wohnt selbst im hessischen Bebra und hat zwei Kinder am Melanchthon-Gymnasium. Sein Sohn geht in die achte Klasse, die Tochter bereitet sich gerade auf ihre Abiturprüfungen vor.
Gerstungen liegt nur knapp vier Kilometer von der hessischen Grenze entfernt. Weil im Nachbarland derzeit viel über die Gymnasialreform geklagt wird, wollen viele hessische Eltern lieber ihre Kinder auf das nahe Thüringer Philipp-Melanchthon-Gymnasium in Thüringen schicken. Zudem loben sie die langjährige Erfahrung der Gerstunger Pädagogen mit dem zwölfjährigen Abitur.
Das Problem: Aufgrund eines Beschlusses des Wartburgkreises von 2005 darf die Schule nur 90 Kinder pro Jahrgang aufnehmen. Im Vorfeld werden 66 Plätze für alle Thüringer Bewerber reserviert. Danach weitere 16 für Hessen, deren Geschwister bereits die Schule besuchen.

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Das Los entschied über acht freie Plätze: Vize-Schulleiter Gert Lindner, Lehrer Clemens Krause, Justiziar Timo Küllmer und Gerald Taubert, Leiter des Gymnasiums Gerstungen (v.l.). Foto: zz

Die verbliebenen acht freien Plätze loste nun der Gerstunger Rechtsanwalt Timo Küllmer (Foto) aus. Die 28 abgelehnten Kinder haben nun Pech gehabt, sie müssen hoffen, dass jemand abspringt.
Bei der ersten Verlosung 2006 zog sich die Auswahl über Monate hin, damit rechnet die Schule auch diesmal. „Die nötige Leistung erfüllen alle Bewerber“, sagt Schulleiter Taubert. Die Entscheidung, gute Freunde gegen gute Bildung einzutauschen, fällt wohl nicht leicht.
Dabei wäre nach dem Willen der Schule gar keine Verlosung nötig. Sie stellte einen Ausnahmeantrag. Immerhin verlassen 104 Abiturienten das Melanchthon-Gymnasium im Sommer.
104 raus, 118 rein. Bedenke man, dass rund 15 Prozent noch vor der elften Klasse abgehen, wäre das kein Problem, sagt zumindest der Vorsitzende des Schulfördervereins, Uwe Becker. Genügend Lehrer gebe es. Außerdem hätte es mit mehr Schülern später ein breiteres Kursangebot in der Oberstufe geben können. Dennoch lehnte der Landrat den Ausnahmeantrag ab. So musste das ungeliebte Losverfahren entscheiden.
26.03.2008   Von Thomas KUTSCHBACH

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DABEI ODER NICHT: Anwalt Timo Küllmer zog die kleinen Lose, die gestern entschieden, wer aus Hessen ab Herbst in Gerstungen lernen darf.

26.03.2008  

LOSE ENTSCHIEDEN ÜBER ACHT FREIE PLÄTZE

Zum zweiten Mal wurde am Gerstunger Gymnasium per Losverfahren über die Aufnahmen von Schülern entschieden. 36 Lose lagen in der Urne, acht hatten eine Option auf freie Plätze.

GERSTUNGEN. Gezogen wurden von Rechtsanwalt Timo Küllmer alle 36 Lose. Dies war erforderlich, um etwaige Nachrücker später platzieren zu können. Das Losverfahren wurde nötig, da mehr Schüler einen Antrag auf Aufnahme im Gymnasium gestellt hatten, als wegen der Dreizügigkeit möglich ist. Einen Sonderantrag auf zeitweilige Vierzügigkeit war jetzt abgelehnt worden. Somit können 90 Schüler für das kommende Schuljahr aufgenommen werden, einen Antrag stellten 118 aus Thüringen und Hessen. Lehrerschaft und Elternvertretung sehen allerdings Möglichkeiten, eine vierte Klasse einzurichten. Räume und Lehrkräfte seien ausreichend vorhanden. Dem widersprach
gestern erneut Kreisbeigeordnete Claudia Döring (CDU). Die räumlichen Bedingungen seien beengt, die Sicherung optimaler Schulbedingungen bei mehr Kindern nicht mehr gewährleistet. Das sei auch der Grund, warum den Sonderanträgen der Gymnasien in Vacha und Bad Salzungen auf Bildung einer vierten Fünften dagegen stattgegeben wurde. Dort sei es räumlich möglich, so Döring. Uwe Becker, Vorsitzender des Schulfördervereins, ist der Ansicht, dass die Kreisverwaltung einen Nachteil für den Landkreis mit der Beschränkung auf die Dreizügigkeit in Kauf nimmt. Es wären keine zusätzlichen Kosten entstanden, da Schulgebäude und Lehrer sowieso bezahlt werden müssen.
Im Gegenteil: Dem Kreis geht die finanzielle Unterstützung über den Schullastenausgleich verloren, der aufgrund der Schüler aus Hessen gezahlt würde. Auch von den Schülerzahlen her hat das Gerstunger Gymnasium freie Kapazitäten, da zum einen ausreichend Abiturienten die Schule verlassen und da es traditionsgemäß jedes Jahr noch aus unterschiedlichen Gründen weitere Schulabgänger gibt. Verlost wurden die Plätze unter hessischen Schülern, die keine Geschwister am Gymnasium haben. Die Plätze für Thüringer waren garantiert.
Heiko KLEINSCHMIDT
26.03.2008  

GERSTUNGEN: KEINE VIERTE KLASSE

Es bleibt so, wie es ist. Das Melanchthon-Gymnasium in Gerstungen soll keine vierte fünfte Klasse bekommen. Der Vorstoß der Schulkonferenz, einmalig wegen vieler Anmeldungen eine fünfte Klasse mehr bilden zu können, stieß nicht auf Gegenliebe.

GERSTUNGEN (smb). Es sei nicht vorgesehen, den Kreistagsbeschluss vom 6. Juli 2005, in dem die Dreizügigkeit für das Gymnasium festgelegt ist, zu ändern. Das sagte die Kreisbeigeordnete Claudia Döring (CDU) gestern. Der Kreis wolle die guten Schulbedingungen in Gerstungen sicherstellen. Mit Blick auf die Erhöhung der Gesamtschülerzahlen im Verhältnis zu der vorhandenen Raumkapazität sei dies nicht gewährleistet. Deshalb habe man sich entschieden, auf die Aufnahme einer weiteren fünften Klasse zu verzichten. Auch der Schulausschuss hatte vor Ostern in der Sache getagt. Er habe empfohlen, am Schulnetzbeschluss festzuhalten, hieß es aus der Kreisverwaltung. Zur Frage, ob von politischer Seite nochmal Kontakt nach Hessen gesucht wurde, um möglicherweise Gastschulbeiträge für die hessischen Schüler auszuhandeln, hieß es nur, dass eine Aufnahme weiterer Schüler am Gymnasium für das kommende Schuljahr nicht relevant wäre. Eltern und Schüler hatten Ende Februar bei der Kreisverwaltung eine Sondergenehmigung beantragt, einmalig vier fünfte Klassen bilden zu können. 66 Kinder aus Thüringen und 53 aus Hessen wollten nächstes Schuljahr aufs Melanchthon-Gymnasium wechseln. Doch Schulleiter Gerald Taubert darf laut Kreistagsbeschluss nur 90 aufnehmen. Von vornherein gesetzt sind Schüler aus dem Wartburgkreis und diejenigen aus Hessen, deren Geschwister am Gymnasium in Gerstungen lernen. Der Rest wird gelost.
25.03.2008

 TLZ WEITERE KLASSE VOM KREIS VERWEIGERT

Gerstungen. (ep) Aus 118 wähle 90 neue Fünftklässler aus.
Vor dieser Aufgabe steht das Philipp-Melanchthon-Gymnasium Gerstungen nach der Entscheidung der Kreisverwaltung, die von der Schule nicht zum ersten Mal beantragte Vierzügigkeit zu versagen. 118 Mädchen und Jungen hatten sich in diesem Jahr für die „Schule der Einheit“ angemeldet,
darunter zahlreiche Schüler aus Hessen. Nun müssen 28 dieser Kandidaten per Losentscheid aussortiert und abgelehnt werden. Wieder macht sich Frust bei vielen Beteiligten – nicht zuletzt beim Förderverein der Schule – breit. Bei den betroffenen Eltern schon in Kürze sowieso.

„Auf Entschluss des Schulausschusses soll auf eine änderung des Schulnetzes bezüglich der Aufnahme einer weiteren 5. Klasse verzichtet werden“, hieß es von Sozialdezernentin Claudia Döring. Zur Begründung gibt sie die „den Erhalt der guten Schulbedingungen hinsichtlich der Gesamtschülerzahl im Verhältnis zur vorhandenen Raumkapazität“ an.

Für das Gerstunger Gymnasium gilt also weiter, trotz größerer Nachfrage nur drei 5. Klassen auf den Weg zum Abitur zu bringen. Eine damit einhergehende Klassenstärke von 30 Schülern befriedigt weder das Kollegium noch die Eltern der Schüler. In vielen Unterrichtsfächern, wissen nicht nur die Lehrer dieser Schule, sinkt damit die Qualität des Unterrichts.

25.03.2008   Von Jensen Zlotowicz