TA – Zur Schulpolitik

 TA    Freitag, 15. Februar 2008

[…] Noch in den 90er Jahren gab es jahrelange Debatten in der Kultusministerkonferenz (KMK) um die volle Anerkennung des Thüringer und sächsischen Abiturs. Beide Länder, für Thüringen saß Dieter Althaus in der Runde, blieben stur. Schließlich gab es eine Sonderregelung: Thüringen und Sachsen durften bei zwölf Jahren bleiben, unter der Bedingung, dass die Schüler mindestens 265 Jahreswochenstunden absolvieren. Die Thüringer führten das Seminarfach ein, damit die Abiturienten auf die nötige Stundenzahl kamen.

Inzwischen lächelt man in Thüringen über die damaligen Verwerfungen und die heutige G-8-Debatte. Auf 266 Jahreswochenstunden kommt ein Thüringer Schüler mit der neuen gymnasialen Oberstufe bis zum Abitur, 265 sind mindestens von der KMK vorgeschrieben. Die Bayern haben 279, in Baden-Württemberg sind es 266 und in Rheinland-Pfalz 272 Jahreswochenstunden. öffentlich diskutiert wird jetzt bundesweit, die Stundenzahl zu reduzieren oder den Samstagsunterricht wieder einzuführen. Die Thüringer wollen das nicht, 265 Stunden, sagt CDU-Kultusminister Jens Goebel, seien okay und zu schaffen. Der Samstag bleibt schulfrei.

Dabei erfreut sich das Thüringer Gymnasium zunehmender Beliebtheit. So besuchen 1125 hessische Schüler die hiesigen Schulen, 601 die Gymnasien. Allein in Gerstungen sind 310 der 730 Gymnasiasten aus dem Nachbarland. Vor drei Jahren protestierte der Landrat gegen den Ansturm aus Hessen, Plätze werden seitdem bei überfüllung verlost. Argument der Eltern: 12 Jahre statt 13 bis zum Abitur, unter Bedingungen, die stimmen. Mit Mittagessen, großem Fächerangebot und einem geschätzten Abitur. Schließlich lag Thüringen mit Sachsen im Pisa-Vergleich unter den ersten vier Ländern. Das sei Qualitätsbeweis genug, sagt der einstige bayrische Kultusminister Hans Zehetmair, der in den 90er Jahren in der KMK streng auf die Qualität des Ost-Abiturs achtete, er zollt Thüringen Respekt: „Es gibt Felder, wo man von erfolgreichen neuen Ländern lernen konnte, dazu gehört das Abitur nach 12 Jahren.“ Hätte es dies nicht gegeben, wären „die 13 Jahre zementiert worden“.

13.02.2008   Von Angelika REISER-FISCHER