Schüleraustausch Breda-Gerstungen 2011


10. Mai 2011

Gerstungen. Am Samstag, den 12.2.2011 erreichte der Bus mit 25 Austauschschülern aus dem niederländischen Breda und ihren drei Lehrern gegen halb fünf das Gerstunger Gymnasium. Sie wurden von ihren Austauschpartnern schon voller Vorfreude auf die gemeinsame Zeit erwartet. Die Paare waren schnell gefunden, da man sich bereits auf Facebook unterhalten hatte. Offiziell einander vorgestellt wurden sie dann wenig später noch einmal im Atrium, wo sich nach den organisatorischen Ansagen und ersten Fotos ein Stimmengewirr erhob, in welchen die einzelnen Sprachen kaum noch zu unterscheiden waren. Schließlich verabschiedete man sich voneinander und fuhr mit der jeweiligen Gastfamilie erst einmal nach Hause. Das Wochenende stand zwecks Kennen lernen zur freien Verfügung. Das wurde dann am Sonntag auch gleich genutzt, indem einige schwimmen gingen.

Am Montag trafen wir uns dann alle wieder in der Schule. Zunächst bekamen wir eine kleine Einführung in die Geschichte und Geografie von Holland und Thüringen, wobei Vergleiche angestellt wurden und auch die Deutschen ihre Kenntnisse über das eigene Land noch mal auffrischen konnte. Da wir die Austauschschüler unserer Mitschüler noch nicht wirklich kennen gelernt hatten, ging es danach auf zum Kennen lernen mit Herrn Krause. Dafür spielten wir einige Spiele mit Luftballons und Stangen. Danach mussten wir uns mit einem, wie Herr Gebhardt es ausdrückte, etwas sensibleren Thema der niederländisch-deutschen Geschichte beschäftigen: Mit einem Film wurden wir auf den Besuch des KZs Buchenwald am nächsten Tag vorbereitet.

Gemischte Gefühle rief auch die nächste Stunde hervor: Musik bei Herrn Reschke – wir sollten ein Lied des „deutschen Kulturguts“ einstudieren. Zur Erleichterung stellten wir dann fest, dass es „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller sein sollte, das zumindest die Deutschen schon fast auswendig mitsingen konnten.

Nachdem wir den trockenen Theorieteil des Tages überstanden hatten, ging es dann endlich nach Oberhof, wo uns schon von Weitem die vielen Treppenstufen der Skischanze erwarteten. Nach einer kurzen Einführung in den Skisport durch Herrn Herold, die durch Herrn Fischer übersetzt wurde, stürzten wir los, um die Spitze der Schanze zu erreichen. Obwohl wir danach ziemlich aus der Puste waren, hatte es sich gelohnt: Die Aussicht war, obwohl leider durch den Neben getrübt, einfach toll. Nachdem alle wieder heil am Bus angekommen waren, machten wir uns auf den Weg zum Stadion und später zum Snowtubing. Auf Reifen rutschte man dabei eine befestige Bahn hinunter, was sowohl den holländischen als auch den deutschen Schülern und auch Lehrern viel Spaß machte. Nach einem ereignisreichen, aber auch anstrengenden Tag, waren wir dann doch froh, nach Hause zu kommen.

Der Dienstag begann dann mit dem angekündigten Besuch in der Gedenkstätte KZ Buchenwald. Leider konnte man sich nicht mehr wirklich vorstellen, wie das KZ einmal ausgesehen habe muss, da nur noch die Grundrisse der Baracken dargestellt waren. Trotzdem machte die Stätte einen tiefen Eindruck auf uns, da man trotz allem noch am eigenen Leib fühlen konnte, wie kalt es da oben ist – und das dann noch in den Häftlingsschlafanzügen! Auch eine Besichtigung der Zellen für gesonderte Unterbringung sowie des Krematoriums waren beklemmend. Betroffen legten wir an einer Gedenktafel, die als Symbol der Menschlichkeit an diesem kalten Ort auf Körpertemperatur gehalten wird, im Rahmen einer Gedenkminute Blumen ab.

Fröhlicher war da der Mittwoch, als wir ins Bergwerk Merkers fuhren. Mit LKWs fuhren wir bis zu 500 Meter unter der Erde in eine Halle, wo auch Konzerte gegeben werden. Nebenbei lernten wir etwas darüber, wie sich die Arbeitsgeräte und Bekleidung der Bergleute im Laufe der Zeit verändert hatten und durften uns sogar in alte Fahrzeuge setzen und Fotos machen. Wie immer in dieser Woche wurden die Erklärungen für unsere Gastschüler von Herrn Fischer übersetzt. Am Interessantesten war dabei wahrscheinlich die Erzählung von dem Gold, dass im zweiten Weltkrieg in Merkers versteckt worden war.

Am Abend machten wir dann noch eine Nachtwanderung mit dem Nachtwächter durch die Altstadt von Erfurt, wo wir viel Historisches über das Leben und den Handel sowie die Entstehung von bestimmten Wörtern lernten. Auch wenn der ein oder andere am Anfang von der Idee nicht ganz so angetan war, so war es letztendlich doch für alle ganz lustig.

Am Donnerstag stand dann quasi eine thüringische „Pflichtveranstaltung“ an: Ein Besuch auf der Wartburg. Für viele der Deutschen war das wahrscheinlich nicht gerade der schönste der Tagesausflüge in der Woche, weil die meisten schon mehrmals auf der Burg waren. Zudem war es auch sehr kalt und zugig in der Burg. Aber die Geschichten beispielsweise über einen Becher, der von Elisabeth auf der Burg benutzt worden war und dann auf Umwegen Luther geschenkt wurde, der ihn wieder auf der Wartburg verwendete, waren vielleicht – wie das Elisabeth-Mosaik, was schon ziemlich beeindruckte – doch ganz interessant.

Am Nachmittag sahen wir uns dann – zwar unabhängig von der Schule, aber doch zum Großteil – im Kino Eisenach den Film „Kokowää“ mit Till Schweiger und seiner Tochter an. Auch dabei hatten wir alle viel Spaß.

Am Freitagmorgen fuhren wir dann nach Lauchröden, um den Abschlussabend vorzubereiten. Nachdem einige von uns am Nachmittag noch einmal schwimmen gegangen waren, fand dieser dann am Abend ab halb acht statt. Die Eltern waren dazu natürlich auch eingeladen und bekamen mithilfe einer PowerPoint-Präsentation von unserer abwechslungsreichen Woche in Kurzform berichtet. Bei Essen und Trinken ließ man den Abend ausklingen, sich schmerzhaft bewusst, dass es der letzte Tag war. Am Samstag um neun Uhr fuhr schließlich der Bus zurück nach Breda. Wir freuen uns auf jeden Fall schon auf den Gegenaustausch im April!

Franziska Bikowski, Vanessa Kleinwächter